Frauen, zielt auf den Mond

  • Sita Mazumder zu Frauen, Feelings und Finanzen

Selbst wenn ihr ihn nicht trefft, dann landet ihr zumindest zwischen den Sternen. Und nach diesen sollen Frauen öfter greifen. Das fordert Sita Mazumder. Humorvoll und pointiert erklärt die Wirtschaftsexpertin, Professorin und Unternehmerin, wie Frauen ticken und weshalb sie sich im Arbeitsleben, im Gegensatz zu den Männern, oft unter Wert verkaufen, anstatt ihre Kompetenzen ins Rampenlicht zu rücken.

Frauen bewerben sich praktisch nie auf eine Stelle, für die sie nur zwei Drittel der Anforderungen erfüllen. Und wenn doch, präsentieren sie sogleich einen Plan B, wie sie sie das bald tun werden. «Ganz anders die Männer», sagt Sita Mazumder. «Sie bewerben sich auf der Karriereleiter immer aufwärts. Sie trauen sich mehr zu.» Frauen meldeten sich lieber für einen Job, den sie bereits können. «Ihre Karriere verläuft deshalb horizontaler.» Nicht, weil Frauen weniger kompetent sind, sondern weil Frauen nicht alles verkaufen, was sie vorweisen können. Das erging selbst Sita Mazumder so. Sie, die eine so beachtliche Karriere vorweisen kann. Als es darum ging, ein Verwaltungsratsmandat ausserhalb der Start-up-Szene zu bekommen, musste sie feststellen: Sie hatte es unterlassen, ihre bisherigen Mandate im Lebenslauf aufzuführen. «Frauen werden nach ihrer Leistung beurteilt. Danach, was in ihrem CV steht. Männer schätzt man nach ihrem Potenzial ein, nach dem, was man ihnen zutraut», sagt Sita Mazumder. Das hat viel mit Stereotypen und Rollenbildern zu tun, aber auch damit, wie Frauen und Männer sich selber wahrnehmen und wie sie dadurch auf andere wirken. Doch in der Opferrolle will Sita Mazumder die Frauen nicht sehen. Vielmehr appelliert sie, das Beste daraus zu machen. «Wichtig ist, dass wir die Unterschiede kennen, verstehen und positiv nutzen.»

Frauen müssen direkter kommunizieren

Was aber unterscheidet Frauen und Männer? Zum einen sprechen sie nicht die gleiche Sprache. Das klassische Beispiel: «Der Abfallkübel ist voll.» Diese vier Worte verstehen Frauen und Männer anders. Tatsache ist, Männer können keine Wünsche von den Augen ablesen. Sie ziehen es vor, dass Frau ihnen klipp und klar sagt, was sie will. Und so ist es auch im Job. «Frauen müssen direkt sagen: ‹Ich will jetzt Führung übernehmen›», betont Sita Mazumder. Stattdessen vertrauten sie darauf, dass die Vorgesetzten ihre gute Arbeit bemerken würden. Männer hingegen weisen ihren Chef auf ein, zwei erfolgreich abgeschlossene Projekte hin und empfehlen sich damit für eine Beförderung. Und prompt bekämen sie den Job.

«Erfolg ist für Frauen wie eine Treppe, die wir Stufe für Stufe erklimmen müssen»

Auch in Lohnverhandlungen agieren Frauen und Männer anders. «Frauen spielen bei der Lohnfrage den Ball gerne zurück. Und schieben noch ein ‹Daran soll es aber nicht scheitern› hinterher», sagt Sita Mazumder. Männer haben keine Scheu, das zu verlangen, was sie meinen, wert zu sein.

Die eigenen Vorteile im Spiegel erkennen

Dass Frauen und Männer anders ticken, hat auch mit der Selbstwahrnehmung zu tun. Was sehen Frauen, wenn sie in den Spiegel sehen? Meistens ihre Problemzonen. Männer bewundern eher ihre Vorzüge. Ähnlich ist es, wenn es darum geht, den eigenen Erfolg zu bewerten. Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass Frauen bei einem erfolgreichen Projekt das Team und die gute Zusammenarbeit loben. War es weniger erfolgreich, übernehmen sie die Verantwortung für Fehler und wollen aus ihnen lernen. Männer verbuchen hingegen den Erfolg für sich persönlich. Lief es weniger gut, dann finden sie Gründe dafür. Dahinter stecke keine Absicht oder Böswilligkeit, sagt Sita Mazumder, die Wahrnehmung sei einfach anders.

Mehr für die eigenen Stärker einstehen

Die Krux dabei: Verkaufen Frauen sich unter ihrem Wert, dann nimmt ihr Gegenüber sie genau so wahr. Sita Mazumder hat dafür ein Beispiel: Gibt es für eine Stelle je eine weibliche und einen männlichen Bewerber, die beide das Anforderungsprofil zu 70% erfüllen, dann denkt er: <Ich kann das, ich bin der Richtige dafür. Sie hingegen reflektiert ihre Leistung und denkt daran, wie sie sich verbessern kann, um dem Profil besser zu entsprechen. Statt der tatsächlichen 70% schätzt ihr Gegenüber ihre Kompetenzen tiefer ein, nur auf 50-60%. Frauen müssten deshalb stärker für sich selber einstehen. «Es ist alles da, steht dafür ein.» Für Frauen gebe es nämlich keinen Karrierelift. «Für sie ist Erfolg eine Treppe, die wir Stufe um Stufe erklimmen müssen.» Ihr Tipp deshalb: Macht euch sichtbar, geht aus eurer Komfortzone heraus. Dort passiert die Magie.» Mit anderen Worten: Nehmt den Mond ins Karriere-Visier.

Bilder: Daniela Bologna, modelmacher.ch

Mehr Bilder gibt es unter Impressionen.

Von |2018-10-03T10:11:55+02:003. Oktober 2018|Events, Frauen, Wirtschaft|0 Kommentare